geschrieben von Mischa in Key West, FL, USA · 17.05.2017 · 9 Kommentare ·

Vielen herzlichen Dank für die ganzen E-Mails und guten Geldverdien-Tipps als Reaktion auf unseren letzten Blogeintrag! Wir wollen alle drei noch nicht nach Hause, allerdings ist für uns die Zeit zu dritt das Schönste an dieser Reise, daher war eigentlich nie geplant, dass einer von uns arbeiten geht und der andere inzwischen auf Willi aufpasst. Vielleicht finden wir aber doch irgendeine gangbare Lösung, wir sind ja flexibel 🙂 .
Neben den finanziellen Fragen kommt natürlich auch die kurzfristige Planung nicht zu kurz: Lange überlegen wir hin und her, wie wir von den Cayman Islands aus in die USA weitersegeln werden. Ein Zwischenstopp in Mexiko? Ein Monat in Kuba verbringen? Direkt nach Florida durchsegeln? Möglichkeiten gibt es viele, aber aufgrund der nicht gerade bootsfreundlichen Einreisegesetze in Kuba und Mexiko verbunden mit den (für uns) hohen Gebühren entscheiden wir uns für die 600-Meilen-Strecke direkt nach Key West. Schweren Herzens, vor allem Kuba hätte uns sehr gereizt, wir haben aber eingesehen, dass man Kuba am besten auf dem Landweg bereist. Außerdem steht die Hurrikansaison vor der Tür, wir sollten mal langsam Richtung Norden aufbrechen.
Nach einer weiteren Woche auf Grand Cayman scheint sich das Wetter für die Weiterfahrt außerordentlich günstig zu entwickeln, wir bereiten also die SAILOR MOON vor, klarieren aus und stechen am Sonntag, den 7. Mai in See. Anfangs lässt der vorhergesagte Wind auf sich warten, aber schon drei Tage später runden wir die Südwestspitze Kubas, das Cabo San Antonio. Hier treffen wir auf unseren neuen Begeiter, den Golfstrom, der uns mit zwei Knoten durch die Yucatan-Straße in den Golf von Mexiko spült. Pünktlich dazu nimmt jedoch der Wind ab, bis wir fast gar nicht mehr vorankommen. Wir bleiben geduldig, das Wetter ist gut, wir fangen einige Fische und Wasser haben wir auch genug dabei. Willi ist mittlerweile ein erfahrener Seemann, selbst im schaukelnden Boot können wir ihn schon (fast) ohne Angst alleine herumlaufen lassen. Oft spielt er auch zufrieden mit seinen Autos und Bausteinen, manchmal kommt aber noch immer Jaquelines Tablet-PC zum Einsatz. Aus Langeweile beginnen wir irgendwann, die Tiefen unserer Bord-MP3-Sammlung zu durchforsten, und dabei lerne ich Dinge wie zum Beispiel, dass Jaqueline das Taxi-Orange-Titellied auswendig mitsingen kann, oder das Waterloo&Robinson beim Schreiben ihrer Texte zumindest eingeraucht gewesen sein müssen. Willi hat andere Ideen, plötzlich kommt er mit seinem Badeanzug unterm Arm ins Cockpit geklettert und macht uns klar, dass er gerne eine Runde schwimmen würde, jetzt sofort, bei ausnahmsweise 5 Knoten Fahrt und zwei Meter Welle. Leider müssen wir ihn für dieses Mal vertrösten.

das wunderschön klare Wasser auf den Cayman Islands

Blick über Grand Cayman

man ist britisch hier

Mosaik-Stiegenhaus

Willi näht ein neues Dinghycover

Alt…

…und neu!

Brunnen Nummer eins

Brunnen Nummer zwei

thailändisch Brunchen

Chillen am Spielplatz

Karneval in Georgetown

Willi ist nicht so der Karnevalfan

Bier trinken “american style” aus dem Papiersackerl

Langsam aber stetig bewegen wir uns Richtung Florida, zu Muttertag am 14. Mai schläft der Wind dann jedoch leider komplett ein. Der Motor wird gestartet und wir steuern die letzten eineinhalb Tage per Hand, bis wir nach 7 Tagen und 10 Stunden auf See in Key West ankommen. Wir sind mächtig stolz auf die SAILOR MOON und auf uns, seit Europa haben wir davon geträumt, mit dem Boot in die USA zu segeln, aber dass wir es wirklich schaffen würden…
Der Ankerplatz in Key West ist rappelvoll, hier gibt es eine große Community an sogenannten “liveaboards”, so nennen die Amerikaner Bootsbesitzer, die ihren Wohnsitz an Land komplett aufgegeben haben und nun auf ihren Schiffen leben. Segelbereit sind die wenigsten davon, die meisten Boote stehen sogar im starken Kontrast zu den gepflegten und teuren Hotelanlagen und Villen am Strand. Ein kleines Boot ist aber sicher die günstigste Möglichkeit, in Key West zu leben, und Jobs gibt es durch die unzähligen Touristen genug.
Wir werfen den Anker irgendwo neben einer Insel, flach und geschützt ist das Wasser hier überall. Die SAILOR MOON reiht sich optisch nahtlos zwischen den anderen Booten ein, wir genießen noch einen wunderschönen Sonnenuntergang und holen erstmal reichlich Schlaf nach. Das Einklarieren am nächsten Tag funktioniert problemlos, die wirklich netten Zollbeamten erlassen uns am Ende sogar die Gebühr für unsere Cruising License. Trotzdem sind wir froh, dass alle unsere Papiere in Ordnung waren und wir unsere Visa schon ordungsgemäß in Österreich beantragt hatten; die strenge Personenkontrolle am Eingang und die allgegenwärtigen, bewaffneten und uniformierten Zollbeamten lassen erahnen, dass man hier keinen Spaß versteht.
Nach einem ausgiebigen Snack im Supermarkt unternehmen wir gleich einen ersten Spaziergang über Key West. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus: Die Stadt ist wunderschön herausgeputzt, die alten Holzhäuser frisch gestrichen und die Gärten gepflegt. Das Ganze wirkt schon fast surreal auf uns, wir fühlen uns manchmal, als würden wir durch eine Filmkulisse spazieren. Was wohl auch teilweise stimmt: Die unglaubliche Masse an Touristen, der man in der Stadt begegnet, will ihre Erwartungen eben erfüllt sehen. Über einen Mangel an Bars, Restaurants und Kunstgalerien (!?) kann sich jedenfalls keiner beklagen. Alle Bars sind aber trotzdem schon am Vormittag rappelvoll, überall gibt es den ganzen Tag Livemusik und natürlich wird ordentlich gebechert. Einheimische und Touristen scheinen sich gleichermaßen wohl zu fühlen und jeder ist gut drauf. Möglicherweise helfen auf der einen Seite der Alkohol und auf der anderen die vielen Dollars, die die Touristen dalassen – teilweise sind die Preise fast schon unverschämt, werden aber offensichtlich bezahlt – ein kleines bisschen mit. Die gute und entspannte Stimmung ist auf jeden Fall irgendwie ansteckend, und uns macht es Spaß, die alte Hafenanlage entlang zu spazieren oder einfach nur mit einem kalten Getränk auf einer Bank zu sitzen und das bunte Treiben zu beobachten. Außerdem erleben wir auf Key West die wohl bisher schönsten Sonnenuntergänge unserer Reise, wunderschöne alte Traditionssegelschiffe unter Vollzeug im Vordergrund inklusive. Ein bisschen kann man dann doch verstehen, warum es trotz einer Gebühr von 3 Dollar pro Stunde in der ganzen Stadt kaum freie Parkplätze gibt…

Willi beim Segeln

Thunfisch

Barrakuda

Delfine!

Snack mit Sonnenschutz

Ankunft in Key West

Willi darf nach einer Woche auf See endlich wieder herumlaufen

eine Seekuh im Hafen von Key West

rappelvolles Dinghydock


9 Comments

  1. Maria und Wolfgang

    Gratulieren zur weiteren Etappe
    Wir schaffen morgen auch den Durchbruch! 🙂
    ….. ein Fenster zum Garten!
    Wolfgang & Maria

  2. Hallo Euch lieben Dreien!
    Ja ihr seid ein tolles Team und ich verfolge regelmäßig Eure Berichte. Willi entwickelt sich ja zu einem Prachtkerl! 😉 Die Sailor Moon habt ihr auch hübsch überholt, sieht sehr seetüchtig aus und ist es auch, wie ich lese!
    Ich darf euch sagen, dass ich mich mehr mit backpacking bzw. overlanding beschäftige, daher sammle ich mir auch Infos zusammen, was eine länger andauernde Reise betrifft. Vielleicht könnt ihr euch da Tipps für Euren weiteren Reiseverlauf, Finanzierung usw…rausholen. und v-logs werden auch immer interessanter..
    http://lookinforjonny.com/
    oder grundsätzliches mit dem Ihr ohnehin sicher schon beschäftigt ward:
    http://umdieweltreise.ch/

    Ziele könnten auch sein Baja California (wäre halt Mexiko), oder ist auch Ecuador, Südamerikaküste interessant?

    Jonny von obigen link hat ganz tolle Bilder von zB den Tonga Inseln gemacht…oder französisch Polynesien..

    oder wie wäre es mit Asien? Ich war beruflich in den letzten Jahren in Malaysia, Singapur,…rundherum liegt ja gleich Indonesien, Bali,…. oder liegt dieser Kontinent eher im Bereich einer zweiten Reiseplanung…

    Als Nicht-Segler Input zu geben ist vielleicht schwierig 😉 aber natürlich sollt ihr solange wie möglich Eure Reise und Euren Traum fortsetzen!

    Daumen hoch auf jeden Fall von mir!

    Gute Fahrt und erlebnisreiche Abenteuer wünscht Euch,
    Rudi

  3. Wie stehts denn um Willis Wortschatz? 😉
    Kommen ein paar weitere “wichtige” Begriffe dazu? 🙂

    • Willis Wortschatz (in dieser Reihenfolge): Mama, Papa, Auto, Muuuuh, Määääääh, Aguila, Paprika und Broccoli 🙂

      • Gesunde Ernährung wird bei euch offensichtlich groß geschrieben siehe Aguila…

        Kein oh no mehr?

      • aber auch paprika und broccoli 🙂

        doch, oh no hab ich vergessen, das ist fast das Häufigste

  4. hallo ihr drei, da haben wir uns auf providencia knapp verpasst, sind seit anfang mai hier… in ein paar tagen geht es weiter nach Panama und dort lassen wir die KALI MERA für den sommer. Auch wir müssen heim um wieder weiteres Reisebudget zu organisieren (arbeiten 🙂 ) . Freuen uns auf ein Treffen in Wien, lG, Tadeja und Herbert, http://www.kali-mera.net

  5. ist das tshirt trump merchandise?

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