geschrieben von Mischa in Georgetown, Cayman Islands · 26.04.2017 · 5 Kommentare ·

Unser Aufenthalt auf Providencia ist leider nur ziemlich kurz, das relativ gute Wetter lässt uns den Anker schon bald wieder lichten. Ein paar Spaziergänge über die Insel, ein kurzer Besuch am Strand im Nachbarort und einige Einkäufe gehen sich noch aus, bevor wir (mit viel zu vielen übrig gebliebenen kolumbianischen Pesos im Gepäck) schon wieder auf See sind. Die Strecke Providencia – Cayman Islands gehört nicht zu den angenehmsten Segelstrecken in der Karibik, die Wellen können ungemütlich hoch werden, die Windrichtung ist oft suboptimal und ausgedehnte Sandbänke und merkwürdige Strömungen gibt es obendrein. Wir begegnen keinem einzigen anderen Segelschiff, dafür meint das Wetter es aber ganz gut mit uns. Das Geschaukel hält sich in Grenzen und der Wind weht mit angenehmen 15 Knoten. Nur wenige Male wird das Cockpit unter Wasser gesetzt. Trotzdem ist tagelanges Am-Wind-Segeln nicht unbedingt gemütlich, der Bug kracht in die Wellen, es ist laut, feucht und das Boot segelt ständig mit einer starken Schräglage. Wir machen das beste daraus, kochen uns mit einigen akrobatischen Einlagen köstliche Käsespätzle und halten uns und Willi mit Tablet-Spielen bei Laune. Leider weht der Wind um ein paar Grad zu weit nördlich, wir können Grand Cayman nicht direkt anliegen und müssen ein paar Kreuzschläge einbauen. Manchmal nehmen wir auch den Motor zu Hilfe um ein paar Meilen nach Westen zu kommen. Die reparierte SAILOR MOON schlägt sich aber ausgezeichnet, und nach fünf Tagen mit wenig Schlaf laufen wir früh am Morgen in Georgetown auf Grand Cayman ein. Die Port Authority nimmt die Einklarierungsprozedur sehr genau, wir müssen erstmal an einer Boje warten, dann werden wir von einem Motorboot an einen Steg geleitet. Dauernd muss ich ans Funkgerät, um unsere neue Position durchzugeben oder neue Anweisungen entgegenzunehmen. Ein paar Stunden später ist aber alles erledigt und wir dürfen endlich an Land. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen!

Spaziergang auf Providencia

eine der Sehenswürdigkeiten

…was haben wir denn auch erwartet?

Willi schwimmt

Heute zu sehen: Wasser!

Die Cayman Islands bestehen aus drei Inseln, der Hauptinsel Grand Cayman und den zwei “Schwesterninseln” Cayman Brac und Little Cayman. Alle drei liegen abseits der “klassischen” Karibik-Segelgebiete und werden von Yachten nur vergleichsweise selten besucht. Wir kannten von den Inseln bisher eigentlich nur ihren Ruf als Steueroase und ihre Rolle in den Romanen von John Grisham und können es kaum erwarten, uns selbst ein Bild zu machen. Erster Eindruck: Alles ist unglaublich sauber und gepflegt, den in Süd- und Mittelamerika allgegenwärtigen Müll am Straßenrand sucht man hier vergeblich. Außerdem ist das Meer – ähnlich wie in Bonaire – kristallklar und sauber, die strengen Umweltauflagen tragen offensichtlich auch hier Früchte. In der Stadt gibt es die üblichen Souvenirshops und Einkaufszentren für die Kreuzfahrt-Touristen (oft sind zwei oder noch mehr von diesen Dingern gleichzeitig da), allerdings gibt es keine riesigen Steganlagen, sondern die Kreuzfahrtschiffe ankern draußen vor der Stadt – eine optisch viel angenehmere Lösung, wie wir finden. Unsere nächste Station ist wie üblich der Supermarkt, wo man wirklich alle nur erdenklichen Lebensmittel bekommen kann. Allerdings müssen wir erstmal schlucken, als wir die Preise sehen, die Cayman Islands sind eben nichts für den schmalen Geldbeutel. Im Gegenteil, viele der Ferienhausbesitzer hier zerbrechen sich wohl über die uralte Streitfrage “Gulfstream oder Learjet” den Kopf, während wir uns freuen, 70 Liter Trinkwasser für nur drei Cayman-Dollar erstanden zu haben.
Wir spendieren unseren Klapprädern den dritten Satz Brems-, Schaltseile und Fahrradketten dieser Reise (unglaublich wie das rostet!) und können von nun an endlich mal wieder per Fahrrad eine Insel erkunden. Wir radeln zum berühmten Seven-Mile-Beach, dem bisher schönsten “Urlaubs”-Strand unserer Reise, besuchen die Lagune auf der Nordseite der Insel oder zeigen Willi die vielen aufwändig gestalteten Spielplätze. Die SAILOR MOON kommt natürlich auch nicht zu kurz, wir nähen ein neues Sonnendach und können endlich wieder gemütlich im Cockpit chillen. Ansonsten machen wir uns immer häufiger über ein Thema Gedanken, das wir bisher sehr gern verdrängt haben: Wie wird es mit uns und der SAILOR MOON weitergehen?

Cayman-Dollar, natürlich mit der Queen drauf!

auf einem der Spielplätze

Willi hat immer zu tun

Weltuntergangsstimmung

Jaqueline ist geduldig beim Fotografieren

waschelnass nach unserem Radausflug im Regen

Straße in Georgetown

Sonnendach 2.0

Leguane trifft man immer und überall

Ausflug zum North Sound

im Sand

Der Boden unserer Reisekasse schimmert mittlerweile sehr deutlich durch, nach Jaquelines aktuellen Berechnungen haben wir noch Reserven für etwa ein weiteres halbes Jahr. Unsere (zugegebenermaßen nicht besonders intensiven) Versuche, hier und da den einen oder anderen Euro zu verdienen haben bisher noch nicht wirklich geklappt, und das wird sich wohl auch in naher Zukunft nicht ändern. Wir rechnen daher damit, unsere Reise im Herbst beenden zu müssen. Bis dahin würden wir sehr gerne noch in die USA segeln, wenn möglich bis nach New York. Von dort werden wir dann mit dem Flugzeug zurück nach Europa fliegen, so zumindest der Plan. Was aber passiert dann mit der SAILOR MOON? Oft diskutieren wir darüber, haben aber noch keine praktische und vor allem finanzierbare Lösung gefunden. Behalten und in den USA liegen lassen? Nicht wirklich sinnvoll, wer fliegt schon für ein paar Tage segeln über den Atlantik. Behalten und nach Europa verschiffen? Wäre eine Möglichkeit, kostet aber so 8.000 Euro aufwärts. Außerdem müsste das Boot dann noch irgendwie ins Mittelmeer gebracht werden, und die Unterhaltskosten sind auch nicht zu vernachlässigen. In den USA verkaufen? Wäre im Moment unsere bevorzugte Lösung, allerdings ist der Bootsmarkt auch in Amerika im Moment nicht besonders günstig für Verkäufer. Außerdem sind Boote in unserer Größe, noch dazu aus Stahl, alles andere als gefragt. Falls also jemand wen kennt, dessen Cousin einen Freund hat, der schon immer ein kleines, langfahrt-taugliches und voll ausgerüstetes Segelboot zum Sofort-Lossegeln an der US-Ostküste kaufen wollte, wir freuen uns über Angebote 🙂

Postkartentauglich!

am Smith Barcadere Beach

Bussi!

am Seven-Mile-Beach


5 Comments

  1. Gerhard Schlatte

    Hallo Ihr Lieben!

    Also die Reise jetzt abbrechen und zurück nach Ö kommen geht gar nicht. Dazu lese ich viel zu gerne Euren Blog, den möchte ich unter keinen Umständen missen. Insbesondere nicht, wenn ich im winterlichen, nasskalten, nebeligen Klosterneuburg sitze. Da wirken Eure Berichte wie ein äußerst potentes Antidepressivum.

    Willi muß erst in einigen Jahren in die Schule, bis dahin habt Ihr Zeit.
    Könnt Ihr nicht Chartergäste mitnehmen od Skippertrainings anbieten? Die Skiper von der”La Vagabonde” machen Filme und stellen diese ins Netz. Sind offenbat sehr erfolgreich damit und können sich jetzt einen riesen Kat leisten. Oder organisiert eine Kollekte für Euch.
    Laßt Euch bitte was einfallen.

    Ich wünsche Euch jedenfalls von Herzen eine möglichst lange Heimreise über den Pazifik und rund um Afrika. Damit aus Willy ein echter Skipper wird!
    Und natürlich immer mindestens eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

    Lieben Gruß und Ahoi,
    Gerhard.

    • Hallo Gerhard!

      Danke für deine netten Zeilen! Wir wollen alle drei noch weitersegeln, das kannst du uns glauben! Wir haben schon alle möglichen und unmöglichen Geldverdienpläne überlegt, aber bisher ist noch nicht wirklich was dabei rausgekommen 🙁
      Aufgegeben haben wir aber noch nicht, also wer weiß…. 🙂

      Liebe Grüße aus Georgetown
      Mischa+Family

  2. gibts auch gute leguansuppe?

  3. hallo,

    vielleicht hilft euch nachfolgender link

    http://www.travelbook.de/welt/johnny-ward-so-kann-jeder-reise-millionaer-werden-919976.html

    für ein weiteres unbeschwertes reisen weiter.

    lg
    heli und dem windelwilli fanclub ;o)

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