geschrieben von Mischa · 20.06.2017 · Kommentar schreiben ·
Diesen Beitrag haben wir für die Homepage des Magazins "Eltern" geschrieben. Hier geht es zu unserem Blog auf eltern.de.

Gibt es sowas wie ein babytaugliches Segelschiff überhaupt? Kann man ein Boot so ausstatten, dass man damit getrost und ohne allzu große Sicherheitsbedenken mit einem wenige Monate alten Kind in See stechen kann? Wenn man bereit ist, auf manchen Komfort zu verzichten, ist das gar nicht so schwierig. Finden zumindest wir.

Bei unserer Abfahrt ist die SAILOR MOON ein sehr einfaches Schiff. Eine relativ kleine Batterie, geladen über die Lichtmaschine des Motors und ein kleines Solarpaneel, hält die Navigationselektronik und die Kabinenbeleuchtung unter Deck am Laufen, Segel oder Ankerwisch werden manuell bedient. Wasser für den Abwasch oder zum Zähneputzen kommt per Fußpumpe aus einem 70-Liter-Tank im Kiel, Trinkwasser nehmen wir extra in Flaschen oder Kanistern mit. Auf einem kleinen zweiflammigen Gasherd mit Backofen können wir warme Gerichte zubereiten oder Brot backen, beim Segeln steuert eine selbstgebaute Wind-Selbststeueranlage. Das WC wird per Handpumpe gespült und Kühlschrank, Waschmaschine oder Geschirrspüler besitzen wir genausowenig wie eine 220-Volt-Steckdose. Für das erste Jahr, in dem wir nur zu zweit unterwegs sind, genügt uns das vollkommen.

Seit Willi an Bord ist, rüsten wir die SAILOR MOON Stück für Stück ein wenig auf. Über einen kleinern Inverter können wir mittlerweile unseren neu angeschafften 220-Volt-Pürierstab betreiben, was Anfangs die Zubereitung von Willis Mahlzeiten sehr vereinfacht hat. Außerdem gibt es eine winzig kleine Kühlbox, wir können endlich übrig gebliebenes Essen für ein paar Tage aufbewahren oder auch auf See Butter und Käse genießen. Natürlich kommt unsere Stromversorgung dadurch schnell an ihre Grenzen, und wir montieren ein zweites, größeres Solarpaneel an die Reling. Im Cockpit fixieren wir einen Baby-Autositz, wo wir Willi im Bedarfsfall sicher angurten können. Vor unsere Koje hängen wir ein abnehmbares Netz, und wenn Willi tagsüber alleine dort schläft, können wir uns beruhigt anderen Dingen widmen. An Deck kommt rund um das Schiff ein engmaschiges Relingsnetz, um für Willis erste Schritte gewappnet zu sein. Ansonsten ist auf der SAILOR MOON alles beim Alten, weitere Modifikationen sind natürlich nicht ausgeschlossen.

All diese kleinen Umbauten können aber trotzdem ein ständiges Beaufsichtigen nicht ersetzen. Willi ist mittlerweile sehr schnell unterwegs, und die Gefahr, Wasser zu fallen, ist sowohl auf See als auch am Ankerplatz oder am Steg immer vorhanden. Einer von uns ist also ständig damit beschäftigt, Willi hinterherzulaufen und ihn zu bewachen. Ob das in einem Haus oder einer Wohnung genauso wäre, können wir natürlich nicht beurteilen, aber für uns ist das eindeutig der anstregendste Aspekt des Mit-Baby-Segelns. Wir vertragen uns fast immer sehr gut, aber wenn es an Bord doch einmal zu Streit kommt, dann geht es fast immer darum, wer heute schon länger Willi-Aufsicht und wer mehr “Freizeit” hatte.


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