geschrieben von Mischa in Bequia, St. Vincent/Grenadinen · 15.04.2016 · 5 Kommentare ·

Wie könnte es anders sein, wir haben uns mal wieder kurzfristig umentschlossen und hängen nach zwei Wochen immer noch auf halber Strecke zwischen Grenada und unserem eigentlichen Ziel, Martinique, herum. Die Grenadinen haben es uns einfach angetan, wunderschöne Sandstrände, Wasser in den unterschiedlichsten Blautönen, eine abwechslungsreiche Tierwelt, gute Ankermöglichkeiten mit Internetzugang… da bleibt man schon mal etwas länger als geplant!
Wir starten zwar am Sonntag, den 3. April 2016, in der Früh von der Prickly Bay aus Richtung Norden, nachdem wir aber die Südwestspitze Grenadas gerundet haben, merken wir bald, dass wir uns mit der SAILOR MOON auf der geplanten Strecke schwerer tun werden als gedacht. Der Wind kommt zwar wie immer aus Ost, aber die südlichen Inseln der Antillen liegen von Grenada aus gesehen nicht im Norden, sondern im Nordosten. Man muss also einen sogenannten “Am-Wind-Kurs” segeln, wo Wind und Welle schräg von vorne kommen – nicht unbedingt die Stärke unseres kurzen und schweren Schiffes. Schon bei verhältnismäßig kleinen Wellen stampft sich die SAILOR MOON schnell fest, wir müssen zur Unterstützung bald den Motor starten, um überhaupt noch Fahrt zu machen. Das bedeutet aber, dass einer von uns von Hand steuern muss, während der andere sich um Willi kümmert. Einige Zeit halten wir das durch, Spaß macht es aber nicht wirklich, der Motor ist laut, wärmt die eh schon stickige Kabine noch mehr, und Pause gibts auch für keinen von uns. So motorsegeln wir zwar an Grenada entlang, geben aber dann auf und werfen vor der unbewohnten und privaten Insel Ronde Island nördlich von Grenada den Anker. Die Bucht ist halbwegs geschützt, aber mehr als eine Nacht wollen wir hier nicht bleiben, deshalb springen wir am nächsten Tag in der Früh nur kurz ins Wasser, starten dann wieder den Motor und wiederholen das Spiel bis in die Chatham Bay auf Union Island. Ergebnis dieser zwei “Segel”-Tage: Ein unangenehmer Sonnenbrand auf meiner Unterlippe (!), 30 Liter Diesel weniger und eine ein bisschen desillusionierte Besatzung der SAILOR MOON. So haben wir uns das Segeln durch das angebliche Traum-Segelrevier Karibik nicht vorgestellt. Bis Martinique hätten wir noch ein Mehrfaches der bisherigen Strecke vor uns, deshalb beschließen wir, die paar Meilen rund um die Insel in den Hauptort Clifton zu motoren, wo wir unseren ungeplanten Aufenthalt im Staat St. Vincent legalisieren und unsere Vorräte aufstocken wollen. Das Roundabout Reef, ein Korallenriff mitten im Hafen, und die vielen anderen Boote zwingen uns relativ weit draußen zu ankern, mit unserem gepimpten Dinghy und dem Außenbordmotor ist das aber kein Problem.
Clifton ist ganz hübsch, wir können ein bisschen Obst, Gemüse und Wasser einkaufen, und wollen eigentlich schon wieder weiter, als uns eine unerwartete Spende von meinem Bruder Ma einen netten Abend auf Happy Island, einer urigen Strandbar auf einer kleinen Koralleninsel ermöglicht. Man muss mit dem Beiboot anlanden, dafür ist die Lage wirklich sehenswert. Das hat sich natürlich herumgesprochen, und im Laufe des Abends werden haufenweise Kreuzfahrttouristen fortgeschrittenen Alters auf die Insel gekarrt, die nicht wirklich zum jungen und hippen Flair passen, dass die Barbesitzer gerne hätten. Aber man ist ja auf Happy Island, und Umsatz ist Umsatz, daher ist jeder gut gelaunt, der Rumpunch hilft natürlich auch.

trotz langer Pause nichts verlernt

trotz langer Pause nichts verlernt

Willi mit Lifebelt

Willi mit Lifebelt

ein Bad im Cockpit

ein Bad im Cockpit

Ankerplatz in Clifton Harbour

Ankerplatz in Clifton Harbour

in der Yummy Stuff Bakery

in der Yummy Stuff Bakery

mit dem Dinghy unterwegs zur Happy Island Bar

mit dem Dinghy unterwegs zur Happy Island Bar

ein Sundowner auf Happy Island

ein Sundowner auf Happy Island

Happy Island Selfie

Happy Island Selfie

Alle happy auf Happy Island!

Alle happy auf Happy Island!

Familienfoto

Familienfoto

Am nächsten Tag holen wir mit leichten Schwierigkeiten den Anker auf (viele Boote auf kleinem Raum und tiefes Wasser) und motorsegeln die paar Meilen zur Nachbarinsel Mayreau, wo wir gleich ein paar Tage lang bleiben. Insel und der namenlose Hauptort gefallen uns sehr. Es gibt einen Supermarkt mit Bänken davor, von denen man eine geniale Aussicht auf die Inseln hat, und einen wunderschönen Sandstrand in der leider sehr vollen Nachbarbucht. Neben uns ankern immer wieder große Kreuzfahrtschiffe, und dann werden in der ersten Tageshälfte Gäste Richtung Strand und am Nachmittag wieder zurück aufs Schiff befördert. Im Ort ist zu diesen Zeiten Ausnahmezustand, die Strandbar hat offen, die T-Shirt-Verkäufer hängen ihre Ware an die vorbereiteten Leinen, und per Boot wird eine Steelband samt Instrumenten angekarrt. Zusätzlich zu diesen Spektakeln erleben wir auch noch live mit, wie ein deutscher Skipper seine Hallberg-Rassy (ein teures Segelboot) auf einen Felsen setzt. Das Boot krängt fürchterlich, und wir machen das Dinghy klar, um ihm zu Hilfe zu kommen. Bis wir soweit sind, schafft er es aber, mit dem Motor das Boot wieder ins tiefere Wasser zu manövrieren. Zum Glück ist außer einer tiefen Schramme im Kiel nicht viel passiert, aber dem Skipper und seiner Frau steht der Schock noch Stunden später ins Gesicht geschrieben.

Sonnenuntergang auf Mayreau

Sonnenuntergang auf Mayreau

Aussicht auf die Tobago Cays von Mayreau

Aussicht auf die Tobago Cays von Mayreau

Cays-Selfie

Cays-Selfie

wiedermal ein Bad im Meer

wiedermal ein Bad im Meer

Willi schließt schnell Freundschaft mit den Kindern von Mayreau

Willi schließt schnell Freundschaft mit den Kindern von Mayreau

wandern auf der Insel

wandern auf der Insel

unser Ankerplatz in Mayreau

unser Ankerplatz in Mayreau

Strand auf Mayreau

Strand auf Mayreau

Irgendwann können wir uns dann doch von Mayreau losreißen, wir wollen in die Tobago Cays, das sind ein paar kleine Inseln mit vorgelagerten Korallenriffen, die wegen den vielen dort lebenden Tieren zum Nationalpark erklärt worden sind. Gegen eine geringe Gebühr darf man aber ankern, und wir bereuen es keine Sekunde, hierher gekommen zu sein. Das Wasser ist wirklich kristallklar, und beim Schnorcheln kommt man aus dem Staunen kaum mehr heraus. Wir schwimmen mit riesigen Wasserschildkröten, die gemächlich das Seegras abweiden und dazwischen immer wieder zum Luftholen an die Oberfläche kommen, sehen alle möglichen Fische, Rochen, bunte Korallen… Auf den Inseln leben unzählige Leguane, die man nach einigem Suchen auch tagsüber auf den Bäumen und im Gestrüpp versteckt finden kann. Außerdem treffen wir hier unsere Landsleute Angela und Franz von der MAEVA PITI wieder, die uns spontan zum Lobsteressen einladen (für Jaqueline und mich eine Premiere), und Tadeja und Herbert von der KALI MERA. Herbert hat gemeinsam mit uns in Wien 2014 die Amateurfunkprüfung gemacht und auch eine Reise per Segelboot geplant, seitdem hatten wir nichts mehr voneinander gehört.

Wasserschildkröten, ...

Wasserschildkröten, …

...Seesterne...

…Seesterne…

...und Rochen!

…und Rochen!

Fische am Riff

Fische am Riff

Außenriff-Foto

Außenriff-Foto

Leguan 1

Leguan 1

Leguan 2

Leguan 2

Leguan 3

Leguan 3

Ankerplatz in den Cays

Ankerplatz in den Cays

unser Boot im türkisen Wasser

unser Boot im türkisen Wasser

Lobster!

Lobster!

Der sehr gute Wetterbericht verleitet uns aber nach zwei Tagen, die nette Gesellschaft aufzugeben und weiterzusegeln. Der Wind soll deutlich südlicher kommen als üblich, und es wird wirklich ein super Segeltag. Die SAILOR MOON läuft unter vollen Segeln, die Windsteueranlage steuert, die Wellen sind moderat, so stellen wir uns das vor! Willi darf sogar auch für einige Zeit ins Cockpit und wir genießen zu dritt die angenehmen Bedingungen. Wir entschließen uns, bis Bequia durchzusegeln, wo wir am frühen Abend ankommen. Das Ankern gestaltet sich etwas schwierig, die Bucht ist wiedermal ziemlich voll, in der Mitte tief und auf den Seiten sehr flach. Im ersten Versuch landet der Anker auf 18 Meter Tiefe, wir werden aber bald vertrieben, wir wären zu nah an den Mooring-Bojen. 18 Meter sind eine Menge Kette, und ich habe wirklich zu kämpfen, den Anker Hand über Hand wieder an Deck zu bekommen. Willi dauert das alles zu lange, er beginnt zu schreien, aber Jaqueline kann das Steuer nicht verlassen und ich schwitze vorn beim Anker. Irgendwie kriegen wir es dann doch hin und finden einen guten Ankerplatz. Willi nimmt uns die Aktion trotzdem übel und ist den ganzen Abend schlecht gelaunt. Am nächsten Tag ist aber alles vergessen, nur meine schmerzenden Hände erinnern noch an das Manöver vom Vortag. Wir machen das Beiboot klar und erforschen die Stadt, die uns sehr gut gefällt. Wir wollen ein paar Tage hierbleiben, aber der gute Wind soll noch eine Weile so anhalten, daher werden wir relativ bald versuchen, nach Martinique weiterzusegeln.

Willi checkt die Großschot...

Willi checkt die Großschot…

...und die Genua-Reffleine

…und die Genua-Reffleine

Oder er korrigiert den Kurs!

Oder er korrigiert den Kurs!

Von wem er das wohl hat?

Von wem er das wohl hat?



5 Comments

  1. You’re welcome…
    dazu fallt mir nur eines ein:
    https://www.youtube.com/watch?v=tDZy6-fMCw4

  2. Kallinger Gerhard

    Hallo ihr drei, wir geniessen die wundervollen Bilder aus der Karibik,
    und erinnern uns gerne an unsere Kreuzfahrt vor einem Jahr.
    Das Wasser und die Tierwelt haben uns ebenso wie euch fasziniert,
    vor allem diese schönen Blautöne und die weißen Strände.
    Wie es aussieht geht es euch richtig gut, passt auf euch auf
    liebe Grüße von allen GERTI

  3. Liebe Wess-family!

    Eure Fotos sind wirklich idyllisch und der Willi ist schon ein guter Segler!
    Manchmal beneiden wir euch, aber meistens gönnen wir euch euer Abenteuer!
    Wir schauen uns die Schildkröten inzwischen in Schönbrunn an – auch schön!
    Rochen gibt’s dort auch und Leguane ebenfalls!

    Gibt’s bei euch auch Affen, Löwen, Bären…..?

    Grüße und Bussis
    Maria und Wolfgang

  4. Ich bin ganz begeistert von euren schoenen fotos,so eineschoene family..noch weiterhin viel kraft und glueck! Oma

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