Auf der SAILOR MOON ist derzeit einiges los, unsere Gäste geben sich momentan beinahe die sprichwörtliche Klinke in die Hand. Und auch nach über einer Woche mit fünf Personen auf unserem Schiff steigen wir uns noch immer nicht gegenseitig auf die Zehen, die SAILOR MOON hat auch auf nur 30 Fuß Länge genug Platz für diese Anzahl an Leuten. Ob das an den toleranten Gästen oder unserer gelungenen Innenaufteilung liegt, können wir nicht sagen, vermutlich ein bisschen an beidem.
In Arrecife haben wir uns schon gut eingelebt und kennen unsere Bootsnachbarn, nicht zuletzt dank einer kleinen Stegparty. Wir erledigen ein paar Dinge am Boot, nur unser Motor will immer noch nicht ganz so richtig. Eine weitere 400-Euro-Investition bringt zwar leichte Verbesserungen, aber immer noch fehlt ein bisschen die Power. Trotzdem beschließen wir, das Thema erstmal sein zu lassen, der Motor läuft und bringt das Boot voran, das genügt uns inzwischen.
An einem Sonntag Morgen checken wir routinemäßig das Wetter und bekommen einen Schreck: Ab Mittwoch ist ein Tiefdruckgebiet mit sehr starken westlichen Winden vorhergesagt, dabei wollten wir diese Woche gemütlich nach Gran Canaria segeln, um unseren nächsten Besuch zu empfangen. Also beschließen wir spontan, sofort aufzubrechen, um noch vor dem schlechten Wetter in Las Palmas anzukommen. Natürlich ist kaum Wind, und wir müssen bis auf die Durchfahrt zwischen Lanzarote und Fuerteventura fast 36 Stunden durchgehend motoren und steuern, eine sehr ermüdende Angelegenheit (die kurze Strecke zwischen den Inseln wird aber die beste Segelstrecke bisher – kaum Welle, guter Wind und die SAILOR MOON segelt unter vollen Segeln am Wind mit 6 Knoten dahin, allerdings nur für 2 Stunden). Total erschöpft zwängen wir uns um ein Uhr nachts in die völlig überfüllte Marina von Las Palmas und machen am Empfangssteg fest. Die Marina ist zwar riesig (1250 Plätze), allerdings findet in wenigen Tagen die Atlantic Rally for Cruisers (kurz ARC) statt, eine organisierte Atlantik-Überquerung. Gemeinsam starten jedes Jahr hunderte von Booten von Las Palmas und segeln in die Karibik, und in den Wochen davor herrscht in der Marina Ausnahmezustand. Trotzdem dürfen wir bleiben und bekommen einen Platz ganz innen am Steg zugewiesen. In engen Marinas zu manövrieren und vor allem rückwärts zu fahren ist nicht unbedingt die Stärke der kurzen und schweren SAILOR MOON und unter normalen Umständen hätten wir um einen anderen Platz gebeten, doch diesmal können wir nicht wählerisch sein und verlegen uns vom Empfangssteg in die Box, ohne an das Ausparken zu denken.

Die Südspitze von Lanzarote

Die Südspitze von Lanzarote

Hunderte ARC-Boote in der Marina Las Palmas

Hunderte ARC-Boote in der Marina Las Palmas

Mit dem Fahrrad unterwegs durch Las Palmas

Mit dem Fahrrad unterwegs in Las Palmas

Las Palmas ist die Hauptstadt von Gran Canaria, die Hälfte der 800.000 Inselbewohner leben hier, und mit den Massen an Touristen geht es auf den Straßen entsprechend lebhaft zu. Aber nicht zuletzt dank der ARC ist die Versorgung und Yacht-Infrastruktur exzellent (King Hogar ftw!), wir erstehen einige dringend benötigte Ersatzteile und spendieren der SAILOR MOON unter anderem ein Solarpaneel (gekauft im Marina-Shop, nachdem wir vergeblich alle Einkaufszentren abgeklappert haben). Im nahem HiperDino stocken wir unseren Lebensmittelvorrat auf und lassen unsere Einkäufe direkt an den Steg liefern. Aber abgesehen von den Shoppingmöglichkeiten und dem Strand gefällt uns Las Palmas nicht ganz so gut. Es gibt keine Altstadt oder Ähnliches, sondern Einkaufsstraßen und riesige Hotel- und Appartmentanlagen. Auch das Wetter ist nicht optimal, zum Wochenende hin kommt tatsächlich der angekündigte Starkwind und Regen.
Am Samstag bekommen wir Besuch: Susanne, Jochen und Jakob von der JURMO sind dieses Mal ohne Schiff auf die Kanaren gekommen und wollen den Winter in Gomera verbringen. Die Anreise dorthin ist etwas umständlich und dauert mehrere Tage, deshalb übernachten die drei nach einem (trotz Regen) gelungenen Grillabend bei uns an Bord, und unser Gästebuch wird voller und voller.

Die JURMOS zu Gast bei uns

Die JURMOS zu Gast bei uns

Die ARC hätte eigentlich am nächsten Tag starten sollen, wird aber wegen des schlechten Wetters um 24 Stunden auf Montag verschoben. Die Skipper der Boote sind nervös, die Stimmung ist angespannt und alle nutzen die gewonnene Zeit, um noch irgendwelche vermeintlich wichtigen Dinge zu erledigen. Nur die Blaskapelle ließ sich anscheinend nicht mehr so kurzfristig abbestellen, und so ziehen die knallrot gekleideten Musiker durch die Marina und untermalen den ganzen Trubel mit Marschmusik, wir haben unsern Spaß daran.
Am Nachmittag begrüßen wir schon unsere nächsten Gäste: Mein Bruder Matti ist unser treuester Fan und schon zum zweiten Mal bei uns zu Besuch, mit ihm kommt der jüngste Wess-Bruder Martin und seine Freundin Anna. Obwohl das Wetter weiterhin nicht ideal ist, verbringen wir zwei lustige Tage in der Marina und am Strand von Las Palmas. Die obligatorischen Begrüßungsmojitos werden diesmal mit spontaner Live-Musik eingenommen…
Am Montag klappt dann der ARC-Start, und am Dienstag bugsieren auch wir unser Boot aus der Box, um nach Teneriffa zu segeln. Im Schatten der hohen Berge erhoffen wir uns besseres Wetter. Der Wind hat nachgelassen, aber die Wellen sind nach wie vor unangenehm, und wir werden ordentlich durchgeschüttelt. Matti hat mit der Seekrankheit kein Problem und liest uns “Max und Moritz” vor, und auch Martin und Anna halten sich wacker. Am Abend nimmt der Wind wieder zu, wir segeln mit doppelt gerefftem Großsegel und einem kleinen Stück Genua mit 5 bis 6 Knoten und ordentlicher Schaukelei auf Teneriffa zu. Kurz vor der Marina San Miguel lesen wir im Handbüch Dinge wie “work in progress” und “night entry not recommended”, wir riskieren es aber trotzdem und fahren ganz vorsichtig durch die Einfahrt. Auch um fünf Uhr Früh hat ein Security-Mitarbeiter Dienst und weist uns einen freien Platz zu. Erschöpft legen wir uns erstmal in die Kojen.

Tanken

Tanken

Wieder keinen spanischen Schinken importiert

Wieder keinen spanischen Schinken importiert

Riesenmengen an Nudelsalat

Riesenmengen an Nudelsalat

Alle diese Boote wollen in die Karibik

Alle diese Boote wollen in die Karibik

Mojitos, mittlerweile schon ein Klassiker

Mojitos und 6 nimmt

Der schneebedeckte El Teide im Hintergrund

Der schneebedeckte El Teide im Hintergrund

Unsere Strategie scheint aufzugehen, das Wetter im Süden von Teneriffa ist tatsächlich besser als in Gran Canaria, es regnet nicht und es ist um einige Grade wärmer. Wir erfoschen ein bisschen die Gegend, die allerdings außer riesigen Appartmentkomplexen und Golfplätzen für die meist britischen Touristen kaum etwas zu bieten hat. Trotzdem finden wir einen kurzen Strand mit dem für Teneriffa typischen schwarzen Sand und lassen es uns mit selbst gegrilltem Fisch gut gehen.
Zum Wochenende hin trifft das nächste Tiefdruckggebiet auf die kanarischen Inseln, diesmal mit bis zu 40 Knoten Wind. Die SAILOR MOON liegt sicher in der Marina und wir beschließen, uns die Insel mit einem Mietauto genauer anzusehen. Gesagt, getan, ich radle zum Flughafen und borge uns dort für drei Tage ein Auto aus. Anna hat in der entscheidenden Partie 6 nimmt die meisten Ochsen und muss hinten in der Mitte sitzen, trägt ihr Schicksal aber mit Fassung. Zuerst cruisen wir in den Norden Teneriffas, in die Hauptstadt Santa Cruz, die uns aber nicht besonders gefällt; Schöner ist dagegen die ehemalige Hauptstadt, La Laguna, und die Hafenstadt Puerto de la Cruz.

Selfie vor der Brandung in Puerto de la Cruz

Selfie vor der Brandung in Puerto de la Cruz

Am Strand in Süd-Teneriffa

Am Strand in Süd-Teneriffa

Santa Cruz 1

Santa Cruz 1

Santa Cruz 2

Santa Cruz 2

Santa Cruz 3

Santa Cruz 3

Santa Cruz 4

Santa Cruz 4

Straße in Puerto de la Cruz

Straße in Puerto de la Cruz

Palmen im schwarzen Sand

Palmen im schwarzen Sand

Grillen am Strand...

Grillen am Strand…

...windgeschützt hinter einem Felsen

…windgeschützt hinter einem Felsen

Es schmeckt!

Es schmeckt!

Ich bin seit mehr als einem halben Jahr nicht mehr Auto gefahren und ich habe viel Spaß dabei, vor allem weil die Küsten- und Bergstraßen Teneriffas sehr abwechslungsreich sind und interessante Ausblicke ermöglichen. Teneriffa ist zwar sehr touristisch geprägt, aber die Landschaft ist wirklich beeindruckend. Auf kleinstem Raum gibt es eine Vielfalt an unterschiedlichen Klimazonen, und der trockene Süden und der kühlere, feuchte Norden unterscheiden sich stark (scheinbar besonders interessant für BOKU-Absolventen 🙂 ). Außerdem liegt lustigerweise der höchste Berg Spaniens auf Teneriffa, der El Teide mit 3.718 m, den wir natürlich auch besuchen. Die Straße windet sich auf bis zu 2.200 m, die Seilbahn auf den Gipfel ist leider wegen des noch immer starken Winds geschlossen. Trotzdem können wir “fast” noch warme Lava bewundern und uns gegenseitig mit Schnee bewerfen. Das für den gleichen Tag geplante Bad im Meer muss wegen der starken Brandung leider ausfallen, nur der Martin ist ein bisschen übermütig und wird von den Wellen samt Gewand halb gebadet.
Am Sonntag Vormittag fahren wir nochmal in den Norden und bringen unsere Gäste zum Flughafen. Wir hatten trotz des nicht ganz optimalen Wetters eine wirklich lustige Woche, mit unzähligen Partien 6 nimmt, Tortilla, Toblerone und vielem mehr. Auch unsere Gäste profitieren von ihrem SAILOR MOON-Urlaub: Annas Wortschatz ist gewaltig gewachsen, Martin lernt, dass eine Weste für eine Woche mehr als genug ist und Matti, dass Handydisplays überbewertet sind.
Wir sind nun wieder zu zweit auf dem Boot, aber nicht für lange, denn schon am Freitag bekommen wir wieder Besuch aus Österreich: Mein ältester Segelkamerad Schmalzi kommt gemeinsam mit seiner Freundin Resa für ein paar Tage vorbei. Wir wollen die beiden aber bereits an unserem nächsten Ziel, La Gomera, empfangen, und planen, im Lauf dieser Woche irgendwann die paar Meilen hinüberzusegeln.

Fahrt hinauf zum El Teide im trockenen Süden...

Fahrt hinauf zum El Teide im trockenen Süden…

...und hinunter auf der feuchten Nordseite

…und hinunter auf der feuchten Nordseite

Die Straße vor dem schneebedeckten Gipfel

Die Straße vor dem schneebedeckten Gipfel

Martin und Anna "fast" am Gipfel

Martin und Anna “fast” am Gipfel

Die Rückbank

Die Rückbank

Sweet Ride: Der Megane bringt uns problemlos auf 2200 m und wieder hinunter

Sweet Ride: Der Megane bringt uns problemlos auf 2200 m und wieder hinunter

im El Teide-Nationalpark

Im El Teide-Nationalpark

Lavaformationen

Lavaformationen

Der Martin wagt sich zu weit vor

Der Martin wagt sich zu weit vor

Ergebnis

Ergebnis

Jaqueline am schwarzen Strand von Teneriffa

Jaqueline am schwarzen Strand von Teneriffa

Einer der vielen Aussichtspunkte auf den Bergstraßen Teneriffas

Einer der vielen Aussichtspunkte auf den Bergstraßen Teneriffas

Die Hafeneinfahrt ist wohl unpassierbar

Die Hafeneinfahrt ist wohl unpassierbar

Wellen in Puerto La Cruz

Wellen in Puerto La Cruz

Eine echt spanische Tortilla wird im Cockpit zubereitet

Eine echt spanische Tortilla wird im Cockpit zubereitet

Fertig!

Fertig!


8 Comments

  1. Mit der Flying Goose Sauce kann das Grillen ja nur gut werden…
    Ist das so eine eher omelettemäßige Tortilla?

  2. Wolfgang und Maria

    Bericht und Fotos sind wieder einmal toll!!
    Sind schon gespannt, was die Heimkehrer berichten.
    Aber eine Reklamation:
    Wo ist jetzt das Foto von Wolfi am Dach?

    Herzliche Grüße
    Maria und Wolfgang

    • Hello!

      Ja, das Foto kommt mit dem nächsten Beitrag, wir haben diesmal bei 37 Fotos schlussgemacht…

  3. Moin moin,

    ich schau auch mal wieder vorbei hier.
    Sensationell, wie weit Ihr mit der Chaos-Quenn schon gekommen seid.
    Hab noch die Bilder von der Reperatur in Varel vor Augen ;-).

    Ich breche auf ins Zillertal und werde Österreich wieder mit meiner Anwesenheit beglücken.
    Nächstes Jahr solls dann mit der Paloma los gehen…..mein Zweit-Boot :-)……und noch mehr Arbeit.

    Könnt ja mal vorbei schauen…….www.holzkutter-charter.de

    Euch weiterhin ne “ssssteiwe briese” in den Segeln.

    Bis bald
    Gruß
    Chris

    • Hello Chris!

      Ja, wir kämpfen zwar nach wie vor, das Chaos in Grenzen zu halten, aber die Ausstattung der SAILOR MOON wird besser und besser!

      Bist du mit der WOMMS nicht ausgelastet und hast dir noch ein Boot gekauft? Schönes Ding!

      Lg aus Teneriffa
      Mischa

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