geschrieben von Mischa · 15.06.2017 · Kommentar schreiben ·
Diesen Beitrag haben wir für die Homepage des Magazins "Eltern" geschrieben. Hier geht es zu unserem Blog auf eltern.de.

Wie genau unterscheidet sich unser Alltag auf dem Segelboot von einem Leben an Land? Kann man sich unsere Reise als jahrelangen Urlaub vorstellen? Hin und wieder schon, oft aber auch nicht! Selbst eigentlich einfache, alltägliche Dinge entpuppen sich auf einem kleinen Segelboot als ungeahnte Herausforderung.

Wiedermal ist Willis Windel voll. Kein Problem, unser Baby wird gewickelt, bekommt eine neue Windel und die alte wird entsorgt. Wenn das so einfach wäre! Wir sind seit Tagen auf See, weit und breit kein Land in Sicht, und an der Reling hängen schon fünf stinkende Säcke. Die nächste Mülltonne gibts erst auf den Cayman Islands, bis muss die Geruchsbelästigung eben ignoriert oder die Säcke je nach Windrichtung umpositioniert werden. Vorraussichtliche Ankunft: In drei bis vier Tagen.

Die Windelentsorgung ist nur eine der Schwierigkeiten, auf die wir vor unserer Abreise nicht wirklich vorbereitet waren. Sehr viel Zeit müssen wir auch in unsere Wäsche investieren: Ohne Strom und mit einem Wasservorrat von nur 70 Litern ist an ein Waschen an Bord nicht zu denken. Unsere Versuche, Willis und unsere Wäsche in den (seltenen) karibischen Starkregenschauern sauber zu bekommen, sind kläglich gescheitert. Seitdem sind wir mit wechselndem Erfolg in jedem Hafen auf der Suche nach Do-It-Yourself-Waschsalons. Dafür nehmen wir auch längere Wege in Kauf, nicht selten radeln wir, beladen mit mehreren Säcken Schmutzwäsche auf dem Lenker und Willi im Kindersitz viele Kilometer zur nächsten Waschmöglichkeit und wieder zurück. Die saubere und trockene Wäsche dann unversehrt ins Beiboot und wieder zurück an Bord der ankernden SAILOR MOON zu bekommen, ist jedesmal eine Herausforderung. Oft sind wir mit einer Ladung Wäsche den ganzen Tag beschäftigt, und frisch bezogene Betten sind ein Mehrtagesprojekt. In Panama, wo wir mehrere Monate außerhalb der Zivilisation unterwegs waren, sind wir aber dann tatsächlich mit unserem Beiboot Flussmündungen hochgefahren, um unsere Kleidung endlich wieder einmal mit Süßwasser abspülen zu können.

Ähnlich viel Zeit verbringen wir oft mit Lebensmitteleinkäufen. In leicht erreichbaren Supermärkten stocken wir jedesmal unsere Vorräte an Haltbarem wie Nudeln, Reis, Mehl und Konserven auf. Oft sind dann mehrere Fahrten mit dem Beiboot notwendig, und auch das Verstauen nimmt einiges an Zeit in Anspruch, hier ist Jaquelines Tetris-Erfahrung gefragt… Frisches Obst, Gemüse, Wurst, Fleisch oder Käse müssen wir mangels richtigem Kühlschrank allerdings immer frisch einkaufen. Oft radeln wir stundenlang über eine Insel, nur um herauszufinden, das der winzige Laden gerade heute geschlossen ist. Was solls, dann gibts eben wiedermal Spaghetti mit Tomatensoße. Auswärts essen wir aus finanziellen Gründen nur ziemlich selten, dafür gibt es dann jedes Mal ein Festmahl.


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