geschrieben von Mischa in Wien, Österreich · 25.12.2012 · Kommentar schreiben ·

Tag zwei des Überstellungstörns: Heute haben wir nur die relativ kurze Strecke durch den Jadebusen nach Varel vor uns, allerdings wieder entlang eines trockenfallenden Prickenweges, das heißt der Abfahrtszeitpunkt will genau geplant sein. Diesmal sind wir natürlich etwas zu früh dran und laufen bald auf Grund. Kein Problem, einfach zurück zum Beginn des Weges, dort ankern und auf die Flut warten. Doch diesmal ist die Strömung sehr stark, der Anker erreicht nicht mal den Boden, bevor er so weit abgetrieben wird, dass wir Angst haben, die Ankerkette in die Schraube zu bekommen. Wirklich ein super Teil. Nachdem wir den Anker wieder an Bord haben, vertreiben wir uns die Zeit mit Hin- und Herfahren zwischen den Tonnen. Ein wenig später ist endlich Hochwasser, wir folgen den Pricken bis zur Vareler Schleuse.

Pricken

Prickenweg nach Varel

Schleuse Varel

Endlich: Die Wilhelm-Kammann-Schleuse in Varel

Natürlich regnet es wieder, allerdings ist es deutlich wärmer als am gestern. Nach der Schleuse “parken” wir BRÖSEL erstmal in einer Box (Leinen sind nicht nötig, wir stecken wiedermal fest…das dürfte der Wattsegler-Dauerzustand sein) und erkundigen uns im Bistro nach der Bootswerft. Keine der Kellnerinnen kann uns helfen, doch schließlich rät uns jemand, einfach mal dem Kanal bis zu einem Kran zu folgen, dort sei unser Ziel. Also motoren wir den sehr hübschen Kanal entlang, und nach kurzer Zeit kommt die Werft in Sicht. Der Chef ist wirklich da, wir gehen auf seine Anweisung hin längsseits an einem Motorboot. Geschafft! BRÖSEL liegt sicher in Varel.

am Ziel, vor dem Kran der Werft

Den Nachmittag nutzen wir, um die Segel abzuschlagen und das Boot so gut wir können winterfest zu machen. Da wir morgen wieder auf dem Heimweg sein müssen, würde ich gerne das Boot heute noch aus dem Wasser kranen lassen; der Chef ist allerdings den Nachmittag über nicht zu finden. Am Abend meint er: “Kein Problem, lasst den Schlüssel hier, wir kranen das Boot dann raus und stellen es im Hof ab”. Das ist nun absolut nicht das, was wir im Sinn hatten, allerdings bleibt uns kaum eine andere Möglichkeit.

Mit gemischten Gefühlen verlassen wir Varel früh am nächsten Tag. Varel (sprich: “Farel”!) ist ein sehr netter Ort mit schönem Hafen, die Werft wirkt bodenständig und Vertrauen erweckend, allerdings hatten wir gerade einen Großteil unseres Geldes in dieses Schiff investiert und es jetzt einfach so 1100 km von uns entfernt fremden Leuten überlassen. Jaqueline wird nicht gerade glücklich darüber sein, aber durch den verlorenen ersten Tag hatten wir einfach nicht mehr Zeit.


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