geschrieben von Mischa in Mindelo, Kap Verde · 05.02.2015 · 10 Kommentare ·

Yeeeeaah! Seit Montag, dem 2. Februar ist die SAILOR MOON wieder im Wasser und schwimmt in der Bucht von Mindelo! Das Ruder ist ausgezeichnet repariert und verstärkt worden und endlich ist unser Boot komplett dicht, nirgends kommt Wasser durch. Wir können es zuerst gar nicht glauben und checken andauernd die Bilge, aber die ist auch nach drei Tagen im Wasser komplett trocken. Wir sind beide dementsprechend gut gelaunt, nach den ein bisschen unbequemen Tagen an Land genießen wir die leichten Schaukelbewegungen, die Sonne und den Wind. Obwohl noch immer einiges zu tun ist am Boot, gehen wirs nach einer Hardcore-Putzaktion langsam an. Jaqueline entdeckt ein neues Hobby, sie überprüft leidenschaftlich gerne, wieviel Strom unser Solarpaneel gerade produziert, und richtet es optimal aus.
Die ganze Kran-und-Ruder-Aktion hat uns etwa 1300 Euro gekostet, was zwar für eine derartige Reparatur OK ist, aber trotzdem ungeplant ein größeres Loch in unser Budget reißt. Chida war eine wirklich wertvolle Hilfe, ohne ihn würden wir wohl immer noch in der Marina warten.
Bevor wir ins Wasser gekrant werden, sorge ich nochmal unfreiwillig für Ablenkung unter den Fischern: Beim Wasserholen rutscht mir der Kübel aus der Hand und verschwindet im Hafenbecken. Als einer der Fischer meine Versuche, ihn mit einem Angelhaken herauszufischen, bemerkt, borgt er mir einen kleinen Anker aus Stahl. Dankbar nehme ich an, nach ein paar Versuchen verfängt sich das Ding jedoch irgendwo am Grund, und ich muss nun erst recht ins Wasser und beides wieder rauftauchen. Die ganze Aktion dauert einige Zeit und zieht ein immer größer werdendes Publikum an. Trotzdem halte ich dem Druck stand und kann schließlich sowohl den Kübel als auch den Anker bergen.

Das reparierte Ruder

Das reparierte Ruder

Kranaction

Kranaction

Chida auf dem Jetski

Chida auf dem Jetski

Antragsschreiben

Antragsschreiben

tauchen nach einem versenkten Kübel...

tauchen nach einem versenkten Kübel…

...vor immer größer werdendem Publikum

…vor immer größer werdendem Publikum

Inzwischen gefällt es uns immer besser in Mindelo, nicht zuletzt, weil wir immer mehr Leute kennen lernen und manchmal sogar ein bisschen sowas wie Freizeitstress aufkommt. Den deutschen Zimmermannsgesellen auf Wanderschaft Georg zum Beispiel lassen wir ein paar Tage bei uns an Bord übernachten. Er ist mit dem Großsegler ALEXANDER VON HUMBOLDT II auf die Kap Verden gekommen, und als das Schiff nochmal in Mindelo einläuft, nimmt er uns auf eine kleine Besichtigungstour mit. Die 65 Meter lange “Alex”, wie sie genannt wird, ist ein deutsches Segelschulschiff Baujahr 2011, und es ist faszinierend, einen so “jungen” Großsegler zu besuchen. Jahrhundertealte Seefahrerromantik sucht man zwar größtenteils vergebens, denn das Schiff muss, da es ein Neubau ist, alle aktuellen Bestimmungen erfüllen. So bestaunen wir die bordeigene Abwasserbehandlungsanlage, Müllpressen und modernste Navigationselektronik. Trotzdem sind wir beeindruckt, und die unglaublich nette Besatzung lädt uns gleich ein, zum Mittagessen zu bleiben und erlaubt uns auch, an Bord zu duschen. Abends gehen wir mit dem Kapitän Klaus und ein paar anderen noch auf ein Bier und erfahren einiges über die heutige Situation in der Berufsschiffahrt und dem Alltag auf Großseglern.

Georg erklärt Details

Georg erklärt Details

Jaqueline und die Schiffsglocke

Jaqueline und die Schiffsglocke

Die Messe

Die Messe

Rahsegel

Rahsegel

Ein Wirrwar an Leinen

Ein Wirrwar an Leinen

Auf der Brücke der "Alex"

Auf der Brücke der “Alex”

Im Februar ist in Mindelo Karneval, der von den Leuten hier sehnlichst erwartet wird. Schon seit Wochen proben die einzelnen Gruppen, ab und zu schauen wir ein bisschen zu und bewundern das Durchhaltevermögen der Trommler und Tänzer. An den Sonntagen vor dem Karneval finden jeweils Mandinga oder Mendinga genannte Umzüge statt. Angeführt von einigen schwarz bemalten und als afrikanische Stammeshäuptlinge verkleideten Männern tanzen ein Haufen Leute zu Trommelklängen quer durch die Stadt. Den Hintergrund dieses Rituals verstehen wir zwar nicht ganz (und auch von den Locals kann uns keiner wirklich erklären, um was es hier eigentlich geht), das ganze ist aber eine riesen Party und macht viel Spaß.
Nicht zuletzt durch Georg lernen wir auch viele andere Reisende kennen. Zum Beispiel den französischen Koch Joris, dessen Schwester bei Ferrero Frankreich für Milchschnitte und kinder Bueno zuständig ist. Oder die Schwedin Charlotta, die alleine über den Atlantik rudern wollte, aber nach zwei Wochen durchgehender Seekrankheit aufgeben musste (ihr Boot haben wir in San Miguel auf Teneriffa schon bewundern können). Oder Philippe, den quirligen Franzosen, dem wir auf den Kanaren einmal geholfen haben, nachts und betrunken sein Boot im Ankerfeld wiederzufinden. Oder Niles und Juan Carlos, die gerade auf dem Weg in den Club sind, “where the naked ladies are dancing and you can play your own music” – das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Danach nehmen uns die beiden noch in eine kleinen Fishing Shop Schrägstrich Bar mit, wo man erst anklopfen muss und dann für umgerechnet 30 Cent pro Glas den lokalen Rum (“Grogue”) pur oder gemischt mit Honig und Zitrone (“Ponche”) trinken kann. Außerdem treffen wir den deutschen Einhandsegler Tom von der CARIAD und sehen die beiden Schweizer Thomas und Anja von der ROBUSTA wieder. Wir sitzen abends oft zusammen, trinken das eine oder andere Bier und reden über alles Mögliche. Thomas und Anja wollen nach Südamerika und ums Kap Hoorn herum, und gemeinsam mit dem Trans-Ocean-Stützpunkleiter schwärmen sie über die brasilianische Küste und das Land im Allgemeinen. Auch Tom, Jaqueline und ich sind bald nicht mehr so sicher, ob ein halbes Jahr auf den niederländischen Antillen wirklich das ist, was wir wollen, und wir beschließen mehr oder weniger, auch erstmal nach Salvador in Brasilien zu segeln. Die Distanz über den Atlantik ist in etwa die gleiche wie nach Tobago (2200 Meilen), und dann könnten wir langsam die Küste entlang Richtung Norden in die Karibik zurücksegeln. Am Weg liegen dann auch noch Französich Guyana, Suriname und Guyana, die mehr als nur eine Reise wert sein sollen.

Eine Cachupa am Markt

Eine Catchupa am Markt

Segler und Rucksackreisende

Segler und Rucksackreisende

Viel Grogue für kleines Geld gemeinsam mit Niles, Juan Carlos und Joris

Viel Grogue für kleines Geld gemeinsam mit Niles, Juan Carlos und Joris

Mein Lieblingsschild am Marinaeingang

Mein Lieblingsschild am Marinaeingang

Durch die neue Route haben wir keine Eile mehr, Mindelo zu verlassen. Wir werden jetzt noch gemütlich die restlichen Vorbereitungen treffen und ein paar Arbeiten am Schiff erledigen. Mal schauen, eventuell bleiben wir sogar noch bis zum Karneval am 17. Februar, wo soll sich die ganze Stadt im Ausnahmezustand befinden soll. Wir werden jetzt sicher noch ein paar Tage auf den Kap Verden genießen, unsere neuen Pläne konkretisieren und das Schiff startklar machen, bevor es dann wirklich über den Atlantik gehen soll.


10 Comments

  1. Ahoi ihr Zwei,

    das finde ich ja richtig großartig – sich fangen lassen von dem Moment, der Insel und den Menschen um euch, einfach genießen und dabei auch Pläne ändern.
    Wünsche euch weiter soviel Frische, weniger Malheur mit dem Schiff und eine “sanfte” Überfahrt nach Brasilien.
    Wie siehts denn an der brasilianischen Küste mit Versorgungsmöglichkeiten aus – die Häfen sind wohl recht weit auseinander?
    Guten Rutsch über den Teich und vorher noch fröhliches ALAAF und Helau in Mindelo!
    AHOI
    Thomas
    (bin gerade in Bangalore/Indien mit einigen Studenten und lasse mich sehr gerne von euren Berichten in Gedanken aufs Wasser entführen!)

    • Hallo Thomas!

      Danke für deine guten Wünsche!
      Die großen Städte an der Küste sind tatsächlich bisschen weiter auseinander, aber auch bewältigbare Distanzen (300-500 sm). Die Versorgung schätzen wir auf jeden Fall einfacher ein als hier auf den Kap Verden, also für uns auf jeden Fall eine Verbesserung 🙂

      Liebe Grüße
      J+M

  2. Wolfgang & Maria

    Hallo J & M!
    Klingt ja vertrauenserweckend, wie Ihr die Reparatur schildert!
    Wünschen Euch einen fröhlichen Karneval auf den Kap Verden.
    Da habt Ihr ja jetzt auch noch vielleicht Zeit den SW-Funk / pactor-modem zu optimieren? 😉
    lg Wo & Ma

    • Hallo!

      Ja, natürlich werden wir nochmal an der Funkanlage herumbasteln, mal schauen, haben mittlerweile zwei Stahlschiffeigner mit perfekt funktionierender Kurzwellenanlage kennengelernt, vielleicht haben die noch paar Tipps….

      Lg J+M

  3. Hi ihr beiden,
    eure Planänderung gefällt mir. Bin schon auf eure Berichte aus Südamerika gespannt. 🙂
    Schön, dass ihr Sailor Moon wieder fit gemacht habt. Genießt die Zeit.
    Viele Grüße, Nico

    • Hi Nico,

      Ja, wir sind auch gespannt, wissen beide wenig über Brasilien, lag ja nicht auf der ursprünglichen Route….
      Falls ihr nach Mindelo kommt, werdet ihr auch plötzlich stark in Versuchung kommen, Brasilien anzulaufen, werdets ihr dann schon sehen 🙂

      LG J+M

  4. Aho ihr zwei,

    das ist bestimmt eine gute Idee nach Brasilien zu fahren. hab schon von vielen gelesen die den Weg gesegelt sind. Alle waren total begeistert.
    Euer Blog ist wirklich toll.

    Wünsche euch zwei immer ein Hand breit Wasser unter den Kiel.

    Schöne grüße aus dem verschneiten Niederbayern.

    Harry

    • Urs Schweizer

      Hi Jacqueline und Mische
      Ich wünsche euch auf eurem weiteren Weg alles Gute!
      Eure Berichte lese ich sehr gerne; sie sind authentisch und interessant.
      Und nun hoffe ich mit euch, dass der Schweisser ganze Arbeit geleistet hat.
      Herzliche Grüsse
      Urs Schweizer
      SY FIDES zZt Palma

  5. Grüss Euch, wahrscheinlich seid ihr schon unterwegs übern Atlantik 🙂 Mich würde interessieren, wie Du die “Himbeere” als Navigationsding verwendest. Würde mich freuen, wenn Du da Info per Mail oder auch im Blog weitergeben kannst. Wünsche Euch gute Überfahrt und Daumen hoch – Bewunderung meinerseits. Macht weiter so 🙂
    Werner

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