geschrieben von Mischa in Providencia, Kolumbien · 09.04.2017 · 2 Kommentare ·

Das Bord-WC ist nicht benutzbar, es gibt Moskitos und Sandfliegen, in der Kajüte hat es 35 Grad, jeder Tag kostet teures Geld und einen Haufen Arbeit gibt es obendrein: Auf einem Segelboot, das an Land steht, zu leben, ist einigermaßen ungemütlich. Trotzdem steht die SAILOR MOON (und wir mit ihr) seit einigen Tagen in der Panamarina in Puerto Lindo, unsere Reparaturen lassen sich einfach nicht länger aufschieben. Schon am zweiten Tag bauen wir das Ruder und die Propellerwelle aus und gehen auf Fehlersuche. Es stellt sich heraus, dass das Ruderlager grundsätzlich in Ordnung ist und wir hier nichts zu schweißen haben, wir jedoch unsere Propellerwellenlager von “nicht vorhanden” auf “wassergeschmierte Gummilager” umbauen müssen. Die benötigten Ersatzteile sind in Panama nicht oder nur für Unsummen zu organisieren, weshalb wir sie kurzerhand aus England importieren. Während der Wartezeit sind wir nicht allzu arbeitsmotiviert, streichen aber das Cockpit neu und erneuern auch den blauen Lack am Rumpf. Dazwischen unternehmen wir lange Spaziergänge in den Nachbarort Cacique, wo es neben einem kleinen Supermarkt auch einen tollen Spielplatz für Willi gibt. Außerdem gibt es in der Marina viele Tiere zu sehen: Der Tukan Zazu zum Beispiel, den die Marinabetreiber vor Jahren von einer Stromleitung gerettet haben und der regelmäßig auf eine Papaya vorbeischaut. Oder eine Faultierfamilie mit Baby, Affen, Kolibris…kein Wunder, dass viele der Boote schon jahrelang hier an Land liegen!
Dann sind die neuen Lager endlich da, werden noch am gleichen Tag eingebaut und die SAILOR MOON ist wieder dicht. Für eine kleine Stahlerneuerung am Bug brauchen wir dann doch wieder den Schweißer, aber das ist zum Glück auch schnell erledigt. Bisschen mehr als zwei Wochen haben wir für alle Arbeiten gebraucht, dann schwimmt unser Boot endlich wieder im Meer. Zum Glück ist alles dicht, die neuen Lager sind super und der neue Lack macht unsere SAILOR MOON irgendwie richtig sexy. Am liebsten würden wir gleich Richtung Providencia in See stechen, nur lässt das Wetter leider zu wünschen übrig. Was tun wir in so einer Situation? Richtig, wir verbringen ein paar Tage in Panama City! Diesmal haben wir kaum etwas zu erledigen und genießen ein paar Tage Nichtstun in der Stadt und kühle Nächte im klimatisierten Hotelzimmer. Außerdem treffen wir Teile unserer Seglerfreunde von der EL CARACOL wieder, Cat ist ebenfalls für ein paar Tage in der Stadt. Cat und ihre Familie werden bald Richtung Südsee losstarten, wir verabreden uns aber schon jetzt für ein Treffen in ein, zwei Jahren in Europa. Portugal und Österreich sind ja, wie Cat meint, zum Glück so nahe beinander….ja, so können sich die Perspektiven ändern!

Zazu

wiedermal auf einem Trailer

Willi ist dauernd zwischen den Booten unterwegs

Faultiere

Gemüseeinkauf in der Marina

alt und neu

zwei fesche Ladies

vorher

nachher

Willi badet auch im schlammigen Mangrovenwasser

Jaquelines hart erkämpftes Kolibrifoto

Fertig!

Zurück in Puerto Lindo erledigen wir noch einen Großeinkauf beim Supermarkt. Ab 500 Dollar Einkaufssumme gibt es eine kostenlose Lieferung, wir strengen uns also an. Trotzdem wird es knapp, nur dank Willis nun riesigem Windelvorrat kommen wir in den Genuss des Gratis-Taxis.
Der Wetterbericht für die nächsten Tage verspricht zwar guten Wind aus der richtigen Richtung, allerdings auch ungemütlich hohe Wellen, weiter östlich in der Karibik gibt es Sturm. Vorsichtig wie ich bin, hätte ich wohl auf kleinere Wellen gewartet (die vermutlich nie gekommen wären), aber die Bootseignerin überstimmt den Skipper und wir stechen kurz vor Sonnenuntergang in See. Die Überfahrt verläuft dann auch problemlos, nach drei leicht schaukeligen, aber stressfreien Tagen kommen wir in Providencia an. Providencia gehört zu Kolumbien, liegt aber eigentlich vor der Küste Nicaraguas und hat auch sonst nicht allzuviel mit dem kolumbianischen Festland gemein. Umgangssprache ist ein ziemlich unverständliches Englisch, jeder hier spricht aber auch Spanisch. Die Insel ist ziemlich gebirgig, die wenigen Einwohner verteilen sich auf zwei, drei kleine Dörfer an der Küste. Man ist hier sehr entspannt und freundlich, das Wasser ist unwahrscheinlich klar und die Supermärkte sind gut sortiert. Der Großteil der Einwohner lebt vom Tourismus, es gibt viele kleine Pensionen, Mopedverleihs und Restaurants. Trotzdem ist die Insel alles andere als überlaufen. Im Gegenteil, selbst der Hauptort am Samstag Nachmittag wirkt eher verschlafen. Trotzdem hat sich die Existenz Providencias offensichtlich schon bis Österreich durchgesprochen.
Auf der Straße spricht mich ein Einheimischer an und fragt, ob ich nicht zufällig aus Germany komme. Verwundert kläre ich ihn über meine Herkunft auf, frage ihn aber auch, wieso er so gut raten konnte, schließlich sprechen Jaqueline und ich immer noch nur Englisch untereinander und werden in Südamerika üblicherweise für US-Amerikaner gehalten. Seine Erklärung ist einfach: Er kenne einen Deutschen, dem ich furchtbar ähnlich sähe, einen Fußballspieler namens Ivica Vastic. Ob ich den auch kenne? Der hat nämlich zu Weihnachten Urlaub auf Providencia gemacht, gemeinsam mit seinem Freund, dem Anton Polster. Was, den kenne ich auch? Wieviele Leute Leben denn in Deutschland, kennt da jeder jeden?
Als pflichtbewusster österreichischer Fußballfan räume ich natürlich alle Missverständnisse hinsichtlich der Nationalitäten und Einwohnerzahlen aus und folge einigermaßen verstört Jaqueline und Willi, die inzwischen vorausgegangen sind. Im Kopf schwirren mir viele Fragen herum. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, hier auf jemanden zu treffen, der Ivica Vastic und Toni Polster kennt? Wie sehr muss sich Ivica Vastic in den letzten Monaten verändert haben, dass er plötzlich so aussieht wie ich? Vor allem aber: Was haben die beiden hier im Urlaub aufgeführt, dass man sich noch Monate später daran erinnert? Wobei ich Letzteres vielleicht lieber gar nicht wissen will…

Training in Panama City

Blühende Sträucher überall!

Spaß am Spielplatz

Skypen mit der Heimat

Jaqueline vor der Skyline von Panama City

PANAMA!

abends in der Altstadt

Treffen mit Cat

Willi im Blütenmeer

Mittagessen auf See

Ankerplatz in Providencia



2 Comments

  1. Maria und Wolfgang

    Die Sailormoon sieht ja wieder super aus!
    Hatten gestern große Grillparty mit Erich zu Omas Geburtstag!
    Jetzt sind Osterferien!

    Grüße und Bussis
    Maria und Wolfgang

  2. wenn er noch ein bisschen trainiert, kann der willi auch faultier spielen 😉

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