geschrieben von Mischa in Jacare, Brasilien · 06.06.2015 · 2 Kommentare ·

Zurück auf der SAILOR MOON lernt Bella neben „unserem“ Joao Pessoa vor allem die Nachteile des Auf-einem-Boot-auf-dem-Trockenen-Lebens kennen: Tagsüber die fast unerträgliche Hitze ohne den leisesten Lufthauch, abends Moskitos und Sandfliegen, und natürlich das Toilettenproblem – wer klettert schon gerne nachts die Leiter runter und marschiert über den Werfthof, dann die Stiegen hinauf und quer durch Brians Wohnzimmer und Küche zum Badezimmer…unser Kübel feiert ein ungeahnt frühes Comeback. Duschen dürfen wir netterweise im Yachtclub nebenan, aber auch das fordert meist einige Überwindung.
Wir bleiben deshalb nicht lange, mieten Brians optisch nicht mehr ganz so taufrischen Fiat Tipo und fahren die zwei Stunden nach Norden, Richtung Natal, wo wir für ein Paar Tage zwei Chalets in einer Pension in Pipa gemietet haben. Pipa entpuppt sich als kleines, ehemaliges Fischerdorf mit steilen und engen Gassen, und die Pension als wirklich schöne Anlage mit lauter kleinen Häuschen mit eigenem Bad und Klimaanlage. Bella und Jaqueline sind kulinarisch deutlich anspruchsvoller als ich, aber auch sie sind mit dem Frühstücksbuffet einverstanden, hier lässt sichs trotz der Hitze gut aushalten! Mit Jaquelines stetig wachsendem Bauch als Ausrede gehen wir kaum zu Fuß, sondern fahren mit dem Auto quer durch das Dorf zu den unterschiedlichsten Stränden. Wir sind außerhalb der Saison unterwegs und haben deshalb keine Probleme, Parkplätze zu finden oder müssen nie im Stau stehen. Die engen Gassen mit den komplizierten Einbahnsystemen und die vielen Schilder, die Parkmöglichkeiten für teures Geld anbieten, lassen uns nur ahnen, was für ein Verkehrschaos sich hier jedes Jahr im Sommer abspielen muss.
Rund um Pipa gibt es viele verschiedene Strände mit klingenden Namen, die wir natürlich alle erkunden wollen. Oft muss man das Auto oben an der Klippe stehen lassen und dann eine steilen Weg zum Strand hinunterklettern, während man tolle Ausblicke aufs Meer genießen kann. Die Strände sind wirklich wunderschön, mir gefällt es hier fast noch besser als in Porto de Galinhas – die Klippen im Hintergrund bieten ein beeindruckendes Panorama. Von einem der Strände aus soll man angeblich Delfine beobachten können, und wirklich, kaum sind wir da, sehen wir die ersten Flossen auftauchen! Die Tiere kommen bis dicht an den Strand und spielen mit den Brandungswellen, mehr als ein Badegast erschrickt plötzlich, als nicht weit von ihm ein Delfin auftaucht. Trotzdem halten die Tiere immer einen Sicherheitsabstand zu den Schwimmern, ganz nah kommen heran kommen sie nicht. Einziger Wehrmutstropfen: Ein vorgelagertes Riff gibt es nicht, die Atlantikwellen rollen hier ungehindert auf den Strand zu. Für Bella und mich kein Problem, sondern eher ein Spaß, Jaqueline hingegen muss aus naheliegenden Gründen ein bisschen vorsichtiger sein.

Strand in Pipa 1

Strand in Pipa 1

Strand in Pipa 2

Strand in Pipa 2

Strandbibliothek (?)

Strandbibliothek (?)

Strand in Pipa 3

Strand in Pipa 3

Praia do Amor

Praia do Amor

Eine Kokosnuss

Eine Kokosnuss

der Tipo; er fährt besser, als er aussieht

der Tipo; er fährt besser, als er aussieht

Unser Abendprogramm sieht meist so aus: Wir suchen zu dritt ein Restaurant, dass uns allen zusagt, dann mache ich es mir dort mit meinem Laptop gemütlich, während Bella und Jaqueline die vielen Geschäfte erforschen. Ich entdecke so Acai für mich, eine Palmenfrucht, die zu einer gefrorenen, eis-artigen Masse verarbeitet wird, Jaqueline findet ein neues Kleid und Bella hat überhaupt Probleme, ihren Koffer wieder zuzukriegen.
Nach ein paar Tagen ist unser Strandurlaub aber auch schon wieder vorbei. Auf dem Rückweg lassen wir es uns nicht nehmen, am Tambaba Beach vorbeizuschauen, dem angeblich ersten und einzigen FKK-Strand Brasiliens. Offensichtlich ist nackt baden in Brasilien etwas äußerst Ungewöhnliches, der Strand ist streng abgeschottet, unzählige Schilder zitieren irgendwelche Gesetzesparagraphen und schreiben vor, was zu tun und was zu unterlassen ist. Wir schaffen es ohne Regelverstoß bis hinein und verbringen einen ungewöhnlichen Nachmittag an einem wunderschönen, fast menschenleeren Strand und in den von den Gezeiten gebildeten „natural pools“.
Zurück auf der SAILOR MOON erwartet uns eine Überraschung: Tom von der CARIAD ist die paar hundert Seemeilen von Salvador aus in den Norden gesegelt und ankert jetzt auf unserem alten Ankerplatz im Rio Paraiba. Zur Begrüßung zeigen wir ihm gleich unser Lieblingsrestaurant in Joao Pessoa. Es bietet sogenanntes Rodizio an, eine brasilianische Spezialität, wo man sich an einem Beilagenbüffet bedient und dann von den Kellnern immer neue Spieße mit gegrilltem Fleisch an den Tisch gebracht bekommt und sich soviel man möchte davon herunterschneiden lässt. Selbstverständlich gönnen wir uns diesen Luxus nicht jeden Tag, doch für umgerechnet ca. 12 Euro hält sich der Preis im Rahmen.

am Tambaba Beach

am Tambaba Beach

einsame Palme am Tambaba Beach

einsame Palme am Tambaba Beach

Abendstimmung in Pipa

Abendstimmung in Pipa

fast kitschig

fast kitschig

schon wieder an Land

schon wieder an Land

ausgezeichnetes Essen in Pipa

ausgezeichnetes Essen in Pipa

Amor-Selfie

Amor-Selfie

unser Chalet

unser Chalet

Erdbeeren mit Schokolade!

Erdbeeren mit Schokolade!

Neue Outfits für die Ladies

Neue Outfits für die Ladies

Abendspaziergang in Joao Pessoa

Abendspaziergang in Joao Pessoa

Tom ist wieder da!

Tom ist wieder da!

Nur wenige Tage später dürfen wir erneut Brians Auto benutzen und wir bringen Bella zum Flughafen nach Joao Pessoa. Sie hat ganze drei Wochen mit uns verbracht und wir haben gemeinsam viele tolle Orte kennengelernt. Segelalltag auf der SAILOR MOON konnten wir ihr leider nicht bieten, dafür hat sie aber schon versprochen, nächstes Jahr wiederzukommen. Jaqueline und mir bleiben noch zwei gemeinsame Tage auf dem Boot, an denen wir unser gesamtes Zeug durchgehen und sortieren, um Platz für unser neues Crewmitglied zu schaffen. Große Koffer oder Taschen haben wir natürlich nicht auf dem Boot, deshalb bringe ich Jaqueline am 25. Mai nur mit wenig Gepäck wieder in Brians Auto zum Flughafen nach Recife. Über Frankfurt wird sie dann am nächsten Tag weiter nach Wien fliegen.
Nach einer vierstündigen Rückfahrt durch den Abendverkehr von Recife komme ich alleine auf der SAILOR MOON an. Für mich ein komisches Gefühl, waren wir doch – abgesehen von Jaquelines kurzem Heimatbesuch von Lissabon aus – für mehr als ein Jahr quasi 24 Stunden am Tag zusammen auf dem Boot. Doch viel Zeit zum Überlegen bleibt mir nicht, es gibt wiedermal einiges zu tun: Im WC haben sich erneut ein paar Roststellen gebildet, und auch sonst gibt es wie immer genug zu reparieren. Zunächst beginne ich jedoch, unseren gesamten Proviant zu sortieren: Die meisten Dosen schippern wir schon seit Deutschland durch die Gegend, sie halten zum Glück noch jahrelang. Bei der Brotbackmischung haben wir uns deutlich verschätzt, unzählige Behälter mit dem inzwischen abgelaufenen und bedenklich riechenden Pulver muss ich entsorgen. Jaqueline ist mittlerweile gut in Österreich angekommen und wird dort von Eltern und Großeltern rund um die Uhr kulinarisch verwöhnt, ich hingegen türme die übrigen nicht haltbaren Lebensmittel in Jaquelines Koje auf und darf sie Tupperdose für Tupperdose in den nächsten drei Wochen aufessen.
Dann beginne ich damit, das WC auszubauen. Leider kann ich wegen des häufigen Regens die ganzen dort verstauten Dinge nur unter Deck lagern, was die Bewegungsfreiheit doch sehr einschränkt. Dann schneide ich den rostigen Stahl heraus und versuche, ein passend zugeschnittenes Teil einzuschweißen. Zwei Tage und unzählige Elektroden später muss ich jedoch aufgeben, für ein derartig großes Schweißprojekt fehlt mir einfach das Know-How. Ich engagiere Juliano, einen ehemaliger Mitarbeiter Brians und professioneller Schweißer. Er kommt, stellt das Schweißgerät ganz anders ein und ist in ein paar Stunden fertig. Auch unseren Gasflaschenkasten lasse ich ihn umbauen, die restlichen, kleineren Schweißarbeiten kriege ich dann doch irgendwie hin.
Brian besitzt drei große Rottweiler, die nachts den Werfthof bewachen. Sicher ein Sicherheitsgewinn, allerdings gehöre ich wohl zu den wenigen Seglern, die sich über Dinge wie Hundedreck auf den Maststufen Gedanken machen müssen. Als einmal einer der drei Hunde fehlt und ich auch noch als einziger in der Früh kurz das Tor geöffnet habe, um Einkaufen zu gehen, wird Brians Frau Silvia unruhig, und auch ich fühle mich nicht wirklich wohl. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass ich es bemerkt hätte, wenn ein riesiger schwarzer Hund mit mir durchs Tor geschlüpft wäre, aber hunderprozentig weiß ich es natürlich nicht. Als dann Brians Tochter mir erzählt, dass vor einigen Jahren ein anderer Hund entkommen ist und einen Passanten gebissen hat, was sogar zu einem Prozess mit Schadenersatz geführt hat, suche ich umso eifriger nach dem Tier. Auf dem Werfhof liegen Unmengen an Bootsteilen, Bauformen und sonstigem Kram herum, und wirklich, wir finden den Hund am Nachmittag unter einem der Haufen. Nochmal Glück gehabt! Vor allem Silvia und Pamela hätten mir nie verziehen, wenn ich schuld am Verschwinden einer ihrer Lieblinge gewesen wäre.
Nicht mal mehr zwei Wochen werde ich noch in Brasilien verbringen, dann geht es auch für mich nach Österreich zurück. Ich hoffe, bis dahin die SAILOR MOON soweit in Schuss gebracht zu haben, dass wir wie geplant nur mehr zurückfliegen müssen und weitersegeln können – unserem Sohn wollen wir das Leben auf einer Bootsbaustelle zumindest anfangs mal ersparen

Lektion zwei in Sachen "Klebe dir kein holz auf dein Stahlboot"

Lektion zwei in Sachen “Klebe dir kein Holz auf dein Stahlboot”

wiedermal ein Loch im Rumpf; ohne die Holzleisten wirkt die SAILOR MOON ganz nackt (ja, das eröffnet Möglichkeiten für neue, interessante Google-Suchanfragen!)

wiedermal ein Loch im Rumpf; ohne die Holzleisten wirkt die SAILOR MOON ganz nackt (ja, das eröffnet Möglichkeiten für neue, interessante Google-Suchanfragen!)

Chaos unter Deck

Chaos unter Deck

Diesen Berg in drei Wochen essen? Locker!

Diesen Berg in drei Wochen essen? Locker!


2 Comments

  1. Wolfgang & Maria

    Wir können ja gemeinsam schweißen üben…
    Vielleicht kann ich ja von Dir schon was lernen??? 😉
    lg Wo

  2. Mahlzeit!

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